Neue Perspektiven im Kampf gegen den Krebs – Potenzial der Immunonkologie  noch nicht ausgeschöpft

Krebs eines Tages heilen zu können, gehört zu den großen Visionen der Medizin. Dank intensiver Forschung stehen heute neben lang bewährten Therapieoptionen wie Operationen, Chemo- und Strahlenbehandlung weitere, innovative Verfahren wie zielgerichtete Therapien oder auch die Immunonkologie zur Verfügung.1 Die neuen Behandlungsansätze haben bereits dazu geführt, dass sich die Aussichten auf ein längeres Überleben mit möglichst langem Erhalt der Lebensqualität selbst bei fortgeschrittenen Krebserkrankungen verbessern. So liegt die 10-Jahres-Überlebensrate von Krebspatient:innen insgesamt mittlerweile bei über 50 Prozent.2

„Dennoch ist es bis zum Erreichen der sogenannten Vision Zero – dem Ziel, dass niemand mehr an Krebs sterben muss - noch ein weiter Weg“, sagt Dr. Holger Krönig, Senior Medical Director Oncology bei Bristol Myers Squibb in Deutschland. „Pro Jahr erkranken hierzulande rund 500.000 Menschen neu an Krebs. Nach den Herz-Kreislauferkrankungen ist Krebs noch immer die zweithäufigste Todesursache. Um die Perspektiven für die Betroffenen weiter zu verbessern, steht nicht nur die Erforschung neuartiger Therapien im Fokus der Wissenschaft, sondern auch das Ziel, bestehende Ansätze weiterzuentwickeln und in früheren Krankheitsstadien einzusetzen.“

Immunonkologische Behandlung im Frühstadium

„Insbesondere immunonkologische Therapien haben in den vergangenen Jahren in hohem Maß zum Behandlungsfortschritt beigetragen. Sie haben weiterhin großes Potenzial, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen, etwa wenn sie bereits in früheren Stadien eingesetzt werden“, sagt Holger Krönig. „Zum einen hat der Krebs dann im besten Fall noch nicht gestreut. Zum anderen ist das Immunsystem meist noch gut intakt und kann – angetrieben durch die Therapie - die Krebszellen bekämpfen.“

Denn als eines der komplexesten Systeme des menschlichen Körpers kann das Immunsystem neben Bakterien oder Viren auch Krebszellen als schädlich erkennen und ins Visier nehmen.3 Durch verschiedene Strategien können die Krebszellen dem Immunsystem jedoch entkommen, so dass ein Tumor wachsen und sich im Körper ausbreiten kann.4 Hier setzen immunonkologische Behandlungen an und können das Immunsystem dahingehend unterstützen, dass die eigene Immunantwort wieder aktiviert wird und die Krebszellen aktiv bekämpft werden können.

Wann zusätzlich zu einer Operation weitere Behandlungsmaßnahmen wie immunonkologische Therapien eingesetzt werden, erklärt Professor Dr. Marc-Oliver Grimm, Direktor der Urologischen Klinik und Poliklinik am Universitätsklinikum Jena, im folgenden Video (in englischer Sprache). 

Immunonkologie in der neoadjuvanten und adjuvanten Therapie

Das Wirkprinzip von Immuntherapien wird auch genutzt, um diese ergänzend zur Haupttherapie - meist einer Operation - als sogenannte „neoadjuvante“ und „adjuvante“ Behandlungsmaßnahmen bei Tumorerkrankungen einzusetzen:

 - Als Verfahren vor der Operation verfolgt die neoadjuvante Therapie das primäre Ziel, die Größe des Tumors oder von Metastasen zu verkleinern, um die Erfolgschancen der Operation zu verbessern.

- Das Ziel einer adjuvanten Therapie besteht darin, die gegen die Tumorzellen gerichtete Immunantwort nach der Operation aufrecht zu erhalten, um eine nicht nachweisbare Resterkrankung, Mikrometastasen und freie Tumorzellen zu bekämpfen und so das Risiko eines Rückfalls (Rezidiv) zu senken, damit die Patient:innen nach der Operation möglichst lange krankheitsfrei leben können.5,6

Immuntherapien stehen bereits zur adjuvanten Behandlung einiger solider Tumoren zur Verfügung - unter anderem bei fortgeschrittenen Stadien des schwarzen Hautkrebses. Auch bei weiteren Tumorerkrankungen wie bestimmten Formen von Blasen- und Lungenkrebs verdichtet sich die Datenlage zur Wirksamkeit immunonkologischer Behandlungen im neoadjuvanten und adjuvanten Therapiesetting. Mehr Informationen zu diesem Thema finden Patient:innen auf der Webseite www.krebs.de.

Wie Professor Dr. Marc-Oliver Grimm das Potenzial der Immunonkologie im Rahmen einer neoadjuvanten und adjuvanten Behandlung einordnet, erfahren Sie im Video.

In diesem Zusammenhang sind vor allem eine frühzeitige Diagnose – beispielsweise durch regelmäßige Vorsorgeuntersuchungen - sowie ein Behandlungsbeginn im frühen Stadium einer Krebserkrankung für den Therapieerfolg wichtig. Je früher eine Therapie begonnen werden kann, desto größer ist die Chance, den Patient:innen ein längeres, beschwerdefreies Überleben bei guter Lebensqualität zu ermöglichen.

 

 

Referenzen

1. Deutsches Krebsforschungszentrum, Krebsinformationsdienst, Stand: Januar 2020; verfügbar unter: https://www.krebsinformationsdienst.de/service/iblatt/iblatt-neue-krebstherapien-ueberblick.pdf?m=1526316993& (letzter Zugriff: März 2022).
2. Robert Koch Institut (RKI), Zentrum für Krebsregisterdaten, Stand: November 2021; verfügbar unter: https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Krebsarten/Krebs_gesamt/krebs_gesamt_node.html (letzter Zugriff: März 2022).
3. Borghaei H, Smith MR, Campbell KS. Immunotherapy of cancer. Eur J Pharmacol 2009;625(1–3):41–54.
4. Vivier E et al. Functions of natural killer cells. Nat Immunol 2008;9(5):503-10.
5. Possinger K et al. Facharztwissen Hämatologie Onkologie (5. Auflage), Elsevier. 2020;4.
6. Versluis JM et al. Learning from clinical trials of neoadjuvant checkpoint blockade. Nat Med. 2020;26(4):475-484.